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Breakaway Femmes ©
Maria Canins bei einer Bergetappe der Tour de France Féminin. Die italienische Radrennfahrerin gewann das Rennen 1985 und 1986. Eine amerikanische Radfahrerin kämpft sich während einer Etappe der Tour de France Féminin in den 1980er Jahren bergauf.

Die vergessene Tour de France Féminin 1980s: Interview zu Breakaway Femmes

(Fast) Vergessene Heldinnen: Dass es in den 80er Jahren auch eine rein weibliche Tour de France gab, wissen heute nur noch wenige. Die Dokumentation Breakaway Femmes erzählt die Geschichte der Tour de France Féminin, die zwischen 1984 und 1989 ausgetragen wurde. Der Film von Regisseurin Eleanor Sharpe beleuchtet eine fast vergessene Ära des Frauenradsports und die Rivalität von Fahrerinnen wie Jeannie Longo und Maria Canins.

In unserem Interview spricht Sharpe über die Entstehung des Films und die Geschichte der Frauen-Tour.

Ein Erinnerungs-Trikot der Tour de France Féminin zu Ehren des Frauenrennens, das zwischen 1984 und 1989 stattfand.

Frauenradsport in Etappen

1955 wurde die erste Tour de France der Frauen ausgetragen. Als der Frauenradsport 1984 olympisch wurde, legte man die Tour de France Féminin von 1984 bis 1989 neu auf - parallel zur Tour de France der Männer. Fahrerinnen wie Jeannie Longo, Maria Canins und Marianne Martin gehörten zu den dominierenden Athletinnen dieser Zeit. 1990 wurde das Rennen von der Tour de France abgekoppelt und bis 1993 unter dem Namen Tour de la CEE fortgeführt. Danach gab es kein französisches Etappenrennen mehr, bis 2022 die Tour de France Femmes neu etabliert wurde.

Die Tour de France der Männer besteht seit 1903 und wurde nur während der beiden Weltkriege unterbrochen.

Interview mit Eleanor Sharpe über die Tour de France Féminin (1984–1989)

In unserem Interview erzählt Regisseurin Eleanor Sharpe, wie das Filmprojekt entstanden ist.

Mehr Informationen zum Film findest du auf unserer Breakaway Femmes Filmseite.

Wo hast du zum ersten Mal von dieser Geschichte gehört?

Eleanor Sharpe: Wir arbeiteten an einer Doku über Paul Liggett, einen englischen Radsportkommentator, und haben deshalb auch seine Frau Trish interviewt. Dabei stellte sich heraus, dass sie Managerin des britischen Frauen-Radsportteams gewesen war. Sie war die Erste, die mir von der Tour de France der Frauen in den Achtzigern erzählte. Ich war überrascht, habe ein wenig recherchiert und dachte: Das könnte ein toller Film werden.

Wie hast du es geschafft, all die Frauen ausfindig zu machen?

Ich musste auf der ganzen Welt nach ihnen suchen, und die wenigsten sprachen Englisch. Also habe ich meine Anfrage-E-Mails mit Google Translate übersetzt. Die Frauen sind mittlerweile alle in ihren Sechzigern und haben meist keine Social-Media-Profile. Wenn überhaupt, dann waren sie auf Facebook, checkten ihre Nachrichten aber nie. Das war schwierig – doch sobald ich eine Sportlerin in einem Land erreicht hatte, konnte sie mich mit ihren ehemaligen Teamkolleginnen vernetzen.

Hast du jemals einen Film mit einer so internationalen Besetzung gemacht?

Nein, aber ich mag es, dass so viele verschiedene Sprachen zu hören sind. Natürlich machte es das schwieriger, die Frauen zu finden, die Interviews zu führen und den Film zu schneiden. Wir hatten Hunderte Stunden nicht englischsprachiges Material. Vor ein paar Jahren hätten wir damit gar nicht arbeiten können, aber KI macht so etwas inzwischen möglich.

Teilnehmerinnen der Tour de France Féminin verlassen während des Etappenrennens der Frauen in den 1980er Jahren den Startbereich in Chamonix.
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In den 1980er Jahren wurde der Frauenradsport populärer als jemals zuvor.
Ein Fahrer im gepunkteten Trikot während einer Bergetappe der Tour de France Féminin.
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Die sportlichen Herausforderungen der Tour der France Féminin standen denen der Männer in nichts nach, nur kamen noch eine Menge Vorurteile hinzu.

Wie haben die Frauen reagiert, als sie von deinem Filmprojekt erfahren haben?

Ich glaube, sie waren einfach dankbar und glücklich, dass ihnen jemand nach all diesen Jahren Aufmerksamkeit schenkte. Das war schön, aber auch ein bisschen traurig. Viele Leute glaubten nicht, dass sie die Tour de France gefahren waren. Also machten die Frauen einfach weiter, gründeten Familien und verfolgten ihre Karrieren. Die Tour de France interessierte niemanden mehr. Deshalb hatten sie das Erlebte auch nie richtig verarbeiten können.

Archivmaterial und Geschichte der Tour de France Féminin

Wo habt ihr das Archivmaterial gefunden?

Da über Frauen seltener berichtet wird, habe ich nur sehr wenige Artikel im Internet gefunden. Aber die Tour de France hatte eine Menge sehr gutes – und sehr teures! – Material in ihren Archiven. Wir konnten uns 23 Minuten davon leisten. Dazu kamen Privatfotos von den Frauen, die ich super fand, weil sie einen sehr persönlichen Blick hinter die Kulissen ermöglichten. Das Archiv-Material war auch großartig, aber sehr gleichförmig, weil die Fahrerinnen alle Helme und Brillen tragen und man ihre Gesichter gar nicht erkennen kann.

Welchen Schwerpunkt wolltest du in deinem Film setzen?

Ich habe den Film nie als eine genaue Dokumentation jeder einzelnen Etappe gesehen. Es interessierte mich auch nicht, wer wo gewonnen hatte. Ich wusste, dass Jeannie Longo und Maria Canins aufgrund ihrer Rivalität wichtig waren. Ebenso die allererste Siegerin Marianne Martin. Aber noch wichtiger war mir, einen Film über die Frauen zu machen, die die Tour gefahren sind.

Maria Canins bei einer Bergetappe der Tour de France Féminin. Die italienische Radrennfahrerin gewann das Rennen 1985 und 1986.
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Die Italienerin Maria Canins gewann die Tour de France Féminin in den Jahren 1985 und 1986. Ihre Spezialität waren die Bergetappen.
Die beiden Fahrerinnen Longo und Canins kämpfen während einer Etappe der Tour de France Féminin um die Führung.
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Jeannie Longo und Maria Canins im packenden Duell an der Spitze des Rennens – Schulter an Schulter im Kampf um den Etappensieg bei der Tour de France Féminin

Der Film spielt in den Achtzigern, fühlt sich aber sehr zeitgenössisch an – ist das gut oder schlecht?

Als Filmemacherin finde ich es natürlich gut, eine Doku über die Vergangenheit zu machen, deren Themen auch noch in der Gegenwart relevant sind. Aber in dem Fall war das auch gleichzeitig schlecht. Ich glaube, den Frauen ging es ähnlich. Sie hatten den Eindruck, dass sich inzwischen viel mehr hätte verbessern müssen. Sie freuen sich, dass es nun wieder eine Tour de France für Frauen gibt, sind aber traurig, dass sie nicht über die vollen drei Wochen geht. Vieles hat sich verändert, ja. Aber wirklich großartig ist es noch nicht.

Die Rückkehr der Tour de France Femmes

Die Tour de France Femmes feierte 2022 ein Comeback. War das das perfekte Ende für deinen Film?

Als wir 2021 mit dem Filmprojekt begannen, stand das noch gar nicht fest. Doch während wir mitten in den Recherchen steckten, wurde angekündigt, dass es wieder eine Tour de France für Frauen geben würde. Das hatte großen Einfluss auf das Ende und den Ton des Films. Vorher wäre es eher ein Film über die vergessenen Heldinnen geworden. Jetzt mussten wir nach Paris! Ich schlug es den Frauen vor und hoffte einfach, dass sie auch kommen würden. Und das taten sie – die Britinnen organisierten kurzerhand einen Van und kamen für das ganze Wochenende. Das war superschön.

Mitglieder des kanadischen Teams bei den Vorbereitungen für eine Etappe der Tour de France Féminin.
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Die Siegerehrung der Tour de France Féminin mit der Gesamtsiegerin im Gelben Trikot.
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Zwei Radfahrerinnen feiern nach dem Abschluss einer Etappe der Tour de France Féminin in den 1980er Jahren.
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Bei der Tour de France Féminin transportierten die Begleitfahrzeuge Ersatzräder und Ausrüstung, genau wie beim Rennen der Männer.
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Vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch, Eleanor!

Eleanor Sharpe

Die US-amerikanische Filmemacherin verbindet in Breakaway Femmes den Radsport mit aktuellen gesellschaftlichen Themen. Mit Mamil (2017) und Phil Liggett: The Voice of Cycling (2020) hat sie bereits zwei weitere Filme über die Welt des Radsports realisiert.

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